„Ein dickeres Rohr löst das Problem nicht“ – Wassermanagement in Zeiten des Klimawandels

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Starkregenereignisse, Trockenheit, Veränderungen des Grundwasserspiegels, Schadstoff-Verschmutzung, Wechselwirkungen mit der Landwirtschaft – der Klimawandel macht sich beim Thema Wasser in vielerlei Hinsicht bemerkbar. Das Projekt WaterCAP und seine Folgeprojekte WaterCAP Taskforce und WaterCAP Communication Hub haben das gesammelte Wissen aus sieben INTERREG-B-Projekten aus dem Bereich Wassermanagement und Klimawandel zusammengetragen, um für deren bestmögliche Nutzung und Weiterverbreitung zu sorgen. Dies soll der Nordsee-Region helfen, sich besser für die komplexen Folgen des Klimawandels auf den Wasserhaushalt zu rüsten.

Beim Thema Wasser und Klimawandel zeigt sich sehr deutlich: die Probleme sind komplex und erfordern ebensolche Lösungen. Da stoßen etablierte Verwaltungsstrukturen oder geografisch umrissene Zuständigkeiten schnell an ihre Grenzen oder eine sinnvolle Lösung ist nur möglich, wenn ein Problem sektorübergreifend gelöst wird. So wie beispielsweise auf der Insel Spiekeroog, wo starker Regen oft dazu führte, dass die Kläranlage „überlief“ und zu Einträgen in das Naturschutzgebiet des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer führte (siehe auch Interview mit Egon Harms vom Wasserverband OOWV). „Einfach ein Rohr mit größerem Durchmesser einzubauen, würde nicht helfen“, so beschreibt Egon Harms die Lösungsoptionen traditioneller Herangehensweisen. Im INTERREG-Projekt C2CI (Cradle-to-Cradle® Islands) gelang es, gemeinsam mit betroffenen Institutionen zukunftsträchtige trans-sektorale Lösungen zu entwickeln. Diese Vorgehensweise wurde als gutes Beispiel Teil der Wissensgrundlage für das Projekt WaterCAP Cluster, in dem die Projektpartner diese Erkenntnisse Vertretern der Europäischen Kommission vorstellten.

 

Die Anpassung an den Klimawandel ist ein Schwerpunkt europäischer Politik. Allerdings wird in der Praxis oft deutlich, dass existierende Normen und Richtlinien die Folgen des Klimawandels nicht ausreichend berücksichtigen. Müssen also bei der Anwendung bestimmter DIN-Normen oder EU-Richtlinien noch zusätzliche flankierende Maßnahmen aus anderen Bereichen ergriffen werden, um den Auswirkungen des Klimawandels Rechnung zu tragen? Zum Beispiel durch die Ableitung des Niederschlagswassers in feuchte Dünentäler zur Versickerung und Unterstützung der Süßwasserlinse – wie auf Spiekeroog. Solche Fragen stellen sich Akteuren vor Ort – Anliegen des Projekts war es daher auch, gegenüber der Europäischen Kommission solche konkreten Probleme des „Climate Proofings“ zu verdeutlichen.

 Oft verhindert auch die fehlende Sicherheit bezüglich des Eintretens bestimmter Klimafolgen, dass vorausschauende Maßnahmen ergriffen werden – dies betrifft nach Einschätzung der Projektpartner vor allem Maßnahmen auf der lokalen und regionalen Ebene angesichts globaler Szenarien wie „Anstieg des Meeresspiegels “ und „Eintreten von Extremniederschlägen“. Diese Schwierigkeiten anzuerkennen und sich angesichts dessen auf neue und ungewohnte Handlungsansätze einzulassen, ist daher eine Empfehlung des Projekts.