Reiseverbot im Schiffstank: Ballastwasserbehandlung im Nordsee-Raum

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Sie reisen um die Welt, bringen heimische Ökosysteme durcheinander und können große Schäden verursachen – die Rede ist von exotischen Muscheln, Krebsen oder Algen, die im Ballastwasser von Seeschiffen eingeschleppt werden. Im Projekt Ballast Water Opportunity haben Verwaltungen, Forschungsinstitute und Unternehmen technische Lösungen und Verwaltungsstandards für die Ballastwasser-Behandlung in Nordseeraum entwickelt Dies hat dazu beigetragen, Europas Führungsrolle auf diesem Gebiet zu stärken.

Millionen Tonnen Ballastwasser fließen aus Frachtschiffen in die Nord- und Ostsee. Darin fanden Wissenschaftler mehrere hundert Arten, die dort nicht heimisch sind – die Bandbreite reicht von Algen und Plankton bis zu kleinen Fischen. Diese Organismen können Krankheitserreger übertragen und heimische Tierarten verdrängen, wenn es ihnen gelingt, sich in der neuen Umgebung zu vermehren. Darüber hinaus können sie eine Reihe von Schäden verursachen, bei denen man nicht auf Anhieb einen Zusammenhang mit dem Ballastwasser vermuten würde. So ergab eine Erhebung des Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie, dass z.B. der Schiffsbohrwurm seit 1993 in der Ostsee wirtschaftliche Schäden in Höhe von geschätzt 25 Millionen Euro verursacht hatte. Die chinesische Wollhandkrabbe hatte zu dem Zeitpunkt in deutschen Gewässern geschätzte 73,5 – 85 Millionen Euro wirtschaftliche Kosten verursacht.

Das Problem ist erkannt und die Weltschifffahrtsorganisation IMO hat eine internationale Konvention zur Behandlung von Ballastwasser erarbeitet – die allerdings bisher noch nicht in Kraft ist, da noch nicht genügend Staaten sie ratifiziert haben. Ziel ist es, dem unkontrollierten Ablassen von Ballastwasser einen Riegel vorzuschieben und eine Behandlung des Ballastwassers vor der Abgabe ins Meer zur Pflicht zu machen.

Im Projekt Ballast Water Opportunity arbeiteten rund 40 Partner aus dem Nordseeraum zusammen, um eine abgestimmten und wirkungsvollen Umsetzung des Abkommens in der Region zu ermöglichen. Dies betrifft unter anderem technische Methoden zur Ballastwasser-Behandlung, um das Einschleppen fremder Organismen zu verhindern. „Unsere Arbeit hat geholfen, Dinge voranzutreiben und Hindernisse für das Inkrafttreten der Ballastwasser-Konvention beseitigt“, fasst Dr. Kai Trümpler vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie zusammen. Das Projekt hat die Ausweisung eines Ballastwasser-Austauschgebiets in der Nordsee beschleunigt und zu einem abgestimmten Verfahren für Ausnahmeregelungen zur Ballastwasserbehandlung geführt.

Das Projektthema hat naturgemäß einen starken Bezug zur Schifffahrt und zur maritimen Wirtschaft. Unter den Projektpartnern waren auch Unternehmen, die Technologien im Zusammenhang mit der Ballastwasser-Behandlung entwickeln. Sie haben im Projekt dazu beigetragen, Testverfahren zu entwickeln und in der Praxis zu überprüfen, die nötig sind, um die Wirkung von Ballastwasser-Behandlungsanlagen zu bewerten. Die entwickelten Testprotokolle können bei Zulassungsverfahren genutzt werden.