Es gibt einen Ort, wo sich Himmel und Erde eine Bühne teilen…

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Im Juni 2009 ist das Wattenmeer in die UNESCO-Liste des Welterbes der Menschheit aufgenommen worden. Welche Möglichkeiten ergeben sich hieraus für die sozio-ökonomische Entwicklung der Region? Wie lässt sich der nachhaltige Tourismus fördern? Das Projekt PROWAD hat sich mit diesen Fragen beschäftigt und eine trilaterale Strategie für den nachhaltigen Tourismus entwickelt.

Ein endlos weiter Himmel, Wattwürmer, kleine Krebse in Wasserprielen – dies alles verbinden wir mit dem Wattenmeer. Dass dieses nicht nur Kulisse ist für matschfüßige Wanderungen mit atemberaubenden Sonnenuntergängen, sondern gleichzeitig ein einzigartiges Naturphänomen, das es zu schützen gilt, hat seit 2009 auch die UNESCO anerkannt und dem Wattenmeer die Auszeichnung „Weltnaturerbe“ verliehen. Neben dem prestigeträchtigen Siegel sind mit der Auszeichnung aber auch bestimmte Auflagen und Anforderungen verbunden – u.a. die Erstellung einer Strategie für den nachhaltigen Tourismus. Diese stand im Fokus des INTERREG IVB NorthSea Projekts PROWAD: Ministerien, Nationalparkverwaltungen und Naturschutzorganisationen aus den Niederlanden, Deutschland und Dänemark entwickelten hier gemeinsam Perspektiven für den nachhaltigen Tourismus im Weltnaturerbe Wattenmeer. Dr. Christiane Gätje von der Nationalparkverwaltung Wattenmeer koordinierte die Projektaktivitäten im schleswig-holsteinischen Teil des Wattenmeeres. „Eines der wichtigsten Ergebnisse war die Entwicklung einer trilateralen Strategie für nachhaltigen Tourismus in der Wattenmeerregion“, so Christiane Gätje. „Wichtig war hierbei das ‚bottom-up Prinzip‘, d.h. Ideen und Anforderungen verschiedener Interessengruppen aus Naturschutz, Politik und Tourismus flossen in die Strategieentwicklung mit ein.“  Das Ergebnis:  ein Strategiepapier, das gleichzeitig  konkrete Ideen liefert, wie regionale und lokale Akteure einerseits profitieren können von der Einzigartigkeit des Wattenmeers und dem damit verbundenen Tourismus und sie andererseits dabei Naturschutzaspekte nicht vernachlässigen und so zur Bewahrung des Weltnaturerbes beitragen.

Wattenmeer als „starke Marke“

Neben der Entwicklung einer gemeinsamen Strategie  ging es im Projekt auch konkret um die gemeinsame Kommunikation des Wattenmeers als „starke Marke“. Es wurde eine gemeinsame „Branding Strategy“ sowie ein Logo und eine Reihe mehrsprachiger Publikationen entwickelt. „Für zukünftige Projekte wäre es ideal, touristische Marketingorganisationen als Partner mit an Bord zu haben“, so Christiane Gätje, die u.a. eine Förderung durch regionale EFRE-Fonds für zukünftige Aktivitäten im Blick hat.

Die Zukunft im Blick

Christiane Gätje betont, dass die Politik das Projekt durchgehend unterstützt hat: „Politisch hatte das Projekt von Beginn an große Aufmerksamkeit. Wir hoffen, dass es uns gelingt, die Umsetzung der entwickelten Tourismusstrategie in regionalen Förderprogrammen zu verankern.“ Für PROWAD – und die Erstellung der gemeinsamen Strategie – war die transnationale Zusammenarbeit zentral, da auch das Wattenmeer nationale Grenzen überschreitet. Für die weiteren Umsetzungsschritte kann sich Christiane Gätje aber auch Aktivitäten auf regionaler Ebene vorstellen: „Es ist wichtig, auch bei der lokalen Bevölkerung noch stärker ein Bewusstsein dafür zu schaffen, was für einen Schatz‚ sie mit dem Wattenmeer vor der Tür haben. Immerhin rangiert das Wattenmeer jetzt in einer Liga mit der Serengeti oder den Galapagos-Inseln“.