„Suburbia braucht eine Stimme“

Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt

Nicht Land und nicht Stadt – Stadtrandgebiete und Vorstädte haben mit einer Reihe von Problemen zu kämpfen. Im Projekt SURF („Sustainable Urban Fringes“) haben die Projektpartner Entwicklungsbedingungen suburbaner Räume analysiert und aktuelle Handlungserfordernisse und Strategieansätze formuliert. Ergebnis: In der Entwicklung der Stadtränder liegen große Chancen, sowohl für die wirtschaftliche Entwicklung der jeweiligen Region als auch als attraktives Lebensumfeld.

Konturloser Siedlungsbrei, optisch unattraktive Einkaufszentren mit großen Parkplätzen, mäßige bis schlechte Anbindung durch öffentliche Verkehrsmittel, Bausünden, kulturelle Langeweile, Ort sperriger und unschöner Großinfrastrukturen, keine eigene Identität, sondern Anhängsel der Großstadt. Stadtrandgebiete haben ein schlechtes Image, besungen schon in den Achtziger Jahren von der britischen Band Pet Shop Boys.

Traditionelle Verwaltungsstrukturen erweisen sich allerdings als ungeeignet, um größere Würfe zu erreichen. In den meisten Fällen gibt es keine Gremien oder Zuständigkeiten, um Entwicklungsmöglichkeiten und Entwicklungsperspektiven über Gemeinde- oder Kreisgrenzen hinweg im Kontext des gesamten Ballungsraumes zu diskutieren. Beispiel Hamburg: „Für Hamburg ist es relativ schwierig mit Suburbia umzugehen, denn die befindet sich größtenteils außerhalb des Bundeslandes. Wir müssen uns also mit den Umland-Gemeinden und –Kreisen ins Benehmen setzen – und das ist manchmal gar nicht so einfach“, sagt Guido Sempell, der den Projektbeitrag der Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt koordinierte.

Hamburg hat im Projekt SURF den „Suburbia-Atlas“ entwickelt, der Karten zu verschiedenen Themen enthält, z.B. Einwohnerdichte, Entwicklung von Reihenhaussiedlungen oder künstliche Zentren. „Damit haben wir visualisiert, was Suburbia ausmacht, das gibt uns eine gute Diskussionsgrundlage“, erläutert Sempell. In einer dreijährigen Kolloquiums-Reihe haben Behördenvertreter, Wissenschaftler und Bürger Herausforderungen und gute Beispiele für die Entwicklung von Suburbia diskutiert, und die Bürger konnten erfahren, wie sie sich aktiv an der nachhaltigen Entwicklung der Vorstädte beteiligen können.

Suburbia ist ein durch und durch europäisches Thema, findet Sempell. „Der Raumtyp Suburbia ist ein Stück europäische Zeitgeschichte, er hat überall vergleichbare Strukturen hinterlassen“. Derzeit scheint er aber aus der Mode gekommen, denn vielerorts drängen die Menschen zurück in die Städte. Höchste Zeit also, die Vororte attraktiver zu machen. Dennoch sei es nicht einfach, die Interessen zusammenzuschalten. „Großstädte und der ländliche Raum haben beide eine gute Lobby – aber Suburbia braucht eine stärkere Stimme“, resümiert der Raumentwickler Sempell.